Ort:

Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen

Wer:

  • Von Lothar Tautz initiiertes gemeinsames Projekt von Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V., step21 – Initiative für Toleranz und Verantwortung und der Beruflichen Schule für Wirtschaft Nauen.
  • Projektbeginn März 2010.
  • Finanzierung aus öffentlichen Projektfördermitteln und privaten Mitteln der Weiterbildungsakademie für Wirtschaft und Verwaltung Berlin/Nauen
Was:

Im Rahmen des Projekts „Into the Future“ besuchen Schülerinnen und Schüler der Beruflichen Schule für Wirtschaft Nauen mit dem „Future-Bus“ interessierte Schulen in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, um schwerpunktmäßig über Rechtsextremismus aufzuklären. Das Projekt arbeitet mit multimedialen Arbeitsmitteln zum Thema Demokratieentwicklung und arbeitet eng mit der Online-Beratung gegen Rechtsextremismus des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ zusammen.

„Into the Future“ entstand aus den seit 2001 regelmäßig an Schulen in Sachsen-Anhalt stattfindenden Projekten zum Thema DDR-Geschichte, die von der Regionalen Arbeitsgruppe Sachsen-Anhalt des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ angeboten werden.

Schule machen

Into the Future

Woher kommen wir, wo sind wir jetzt und wo wollen wir hin? Wichtige Fragen (nicht nur) für Schülerinnen und Schüler – und die Antworten darauf können sehr divers sein. Warum Vielfalt in einer offenen Gesellschaft ok ist, wie man damit umgehen kann und weshalb rechtsextreme Standpunkte so gefährlich sind, darüber kommen junge Menschen in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt im „Future-Bus“ ins Gespräch. Zu den Initiatoren des ambitionierten Projekts gehört der Heldrungener Pädagoge, Theologe und Buchautor Lothar Tautz – der zudem bereits seit zehn Jahren das Thema DDR-Geschichte in allgemeinbildende Schulen trägt. Das Interesse der Generation ipad gilt auch diesem Thema, trotz des größer werdenden historischen Abstands.
 
„2001 haben wir damit angefangen in die Schulen zu gehen und über verschiedene Aspekte des Lebens in der DDR aufzuklären“, erinnert sich Tautz. Dabei habe die Frage eine wichtige Rolle gespielt, ob es im sich selbst stets als antifaschistisch definierenden SED-Staat rechtsextreme Tendenzen gegeben habe. „Das ist eine Linie“, so der engagierte Theologe, Buchautor und Lehrer, „die sich aus den 1980er Jahren bis zu den Ausschreitungen gegen Asylbewerber Anfang der 1990er Jahre verfolgen lässt.“ Damals gehört Tautz., der in seinem langen Berufsleben schon verschiedene kirchliche und politische Ämter innehatte und heute an der Beruflichen Schule für Wirtschaft in Nauen/Berlin Politische Bildung unterrichtet, zu den Mitbegründern der Regionalen Arbeitsgruppe Sachsen-Anhalt des Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie. Wenige Jahre später, im Jahr 2000, verfasst er gemeinsam mit seiner Frau Anette Hildebrandt das Wende-Buch „Don’t Worry, Be Happy!“. Die anschließende Lesereise mit SPD-Politikerin und Schwägerin Regine Hildebrandt hinterlässt vor allem bei jungen Leuten großen Eindruck – und führt in der Folge zu der Idee, Schülerinnen und Schülern DDR-Geschichte kritisch nahezubringen.

Seit 2001 veranstalten Tautz und seine Vereinskolleginnen und -kollegen nun Projekttage, Ausstellungen und Rollenspiele zum Thema. Das Interesse daran ist von Anfang an groß – und die Wirkung manchmal verblüffend. Tautz: „Bei einem Projekttag haben wir zum Beispiel auf einem alten Exerziergelände einen Pionier-Appell nachgestellt. Ein Anwohner dachte daraufhin zuerst, wir würden mit öffentlichen Mitteln die DDR wieder auferstehen lassen, so echt wirkte alles auf ihn. Er wollte sich schon beschweren, bis er den Hintergrund der Aktion erfuhr.“ Die eingangs beschriebene Frage nach rechtsextremen Tendenzen im SED-Staat löste sich bald aus dem Kontext DDR und wurde ein eigenes Thema. „2009 haben wir mit den Planungen für ein speziell auf dieses Thema zugeschnittenes Projekt begonnen“, so Tautz.

„Wir“, das waren die Initiative step21 und die Privatschule WWV – Weiterbildungsakademie für Wirtschaft und Verwaltung Berlin/Nauen, an der Tautz Politische Bildung unterrichtet, und die Berliner Geschäftsstelle Gegen Vergessen – Für Demokratie mit dem bis heute in der Beratungslandschaft einzigartigen Projekt Online-Beratung gegen Rechtsextremismus.. Aus Mitteln der Schule konnte ein Bus gekauft und ausgestattet werden - der „Future Bus“ war geboren und mit ihm das Projekt „Into the Future“. Die Idee ist ebenso einfach wie genial: „Wir fahren mit dem Bus auf den Schulhof der teilnehmenden Schule und sind dort ansprechbar, gehen aber auch direkt auf die Schüler zu“, erklärt Tautz. Immer mit an Bord sind ein Medienkoffer mit Arbeitsmaterialien zum Thema Demokratie – und drei, vier Schülerinnen und Schüler der Beruflichen Schule für Wirtschaft Nauen/Berlin, für die diese Einsätze praktischer Teil des Unterrichts im Fach Politische Bildung sind. Denn, so Tautz: „Junge Menschen kommen am besten mit anderen jungen Menschen ins Gespräch, das ist weniger belehrend.“

Wenig belehrend sind auch die Interaktionen vor Ort in den Schulklassen – wohl aber von lebhaften Diskussionen getragen. „Es ist nicht immer leicht, in die Schulen hineinzukommen, denn oft heißt es erst einmal: ,Mit Rechtsextremismus haben wir hier keine Probleme.' Aber in den Klassen geht es dann oft hoch her, wenn Schüler und Lehrer genau diese Frage miteinander diskutieren“, weiß Tautz zu berichten. Vielen sei nicht bewusst, dass sie rechtsextreme Ansichten vertreten würden – durch das gemeinsame Gespräch jedoch werde allen klarer, was hinter braunen Argumentationen stecke und wie man darauf reagieren könne. Damit es nicht bei einmaligen Anstößen bleibt, steht auch nach dem Besuch in der Schule jederzeit die Online-Beratung gegen Rechtsextremismus bereit. Und auch Tautz und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter bleiben ansprechbar: „Wenn wir erst einmal in den Schulen waren, ist das Interesse meist sehr groß und wir werden wieder eingeladen.“ Beispiele, die Schule machen.

29.09.2011

Foto: © Lothar Tautz

"Into The Future" - Der Future-Bus; © Lothar Tautz
Schulprojekte zur DDR-Geschichte; ©Dennis Riffel
Lothar Tautz bei einem Workshop während des Geschichtsforums 2009; © Dennis Riffel
Der Future-Bus beim Interkulturen Tag in Nauen; © Johannes Issmer, Friedrich-Naumann-Stiftung (Potsdam)