Ort:

Pforzheim, Baden-Württemberg

Wer:

  • Gegen das Vergessen e. V.
  • Trägerverein für die durch Klaus Knabe zusammengetragene Sammlung zur Geschichte der DDR
  • Öffentliche Ausstellung seit 1998, Vereinsgründung 1999
  • Finanzierung durch Spenden und Mitgliedsbeiträge
  • Öffnungszeiten: sonntags 11-15 Uhr und nach Vereinbarung
Was:

Der Verein "Gegen das Vergessen" macht eine Privatsammlung mit Objekten und Dokumenten aus 40 Jahren DDR-Geschichte der Öffentlichkeit zugänglich und leistet damit einen Beitrag zur Aufarbeitung von DDR-Geschichte. Neben Führungen gehört die Organisierung von Begegnungen mit Zeitzeugen zur Arbeit des Vereins.

Zu Besuch in der Stasi-Zelle

DDR-Museum - Gegen das Vergessen e. V.

Klaus Knabe und seine Frau übersiedeln einen Monat vor dem Bau der Mauer aus dem sächsischen Pohrsdorf nach Pforzheim in Baden-Württemberg. Für die meisten ihrer neuen Nachbarn ist die DDR da noch weit weg. Als die innerdeutsche Grenze fällt, ändert sich dies: Knabe sammelt gegen das Verschwinden der Erinnerung an Unrecht und Unterdrückung an – bis daraus eine Ausstellung wird.

Eine mit Originalteilen nachgebaute Untersuchungshaftzelle der ehemaligen Stasi-Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen gehört zu den Highlights eines Museums, das die meisten Menschen nicht ausgerechnet am Rande des Nordschwarzwald vermuten würden. „Hier im tiefen Süden lag das Thema ja nicht vor der Haustür.“ Volker Römer ist 1. Vorsitzender des 1999 gegründeten Vereins „Gegen das Vergessen e. V.“, der heute Träger der „Sammlung zur Geschichte der DDR“ ist und sie interessierten Besuchern zugänglich macht. „Aber es geht ja nicht allein um DDR-Geschichte, sondern auch darum, exemplarisch zu zeigen, wie eine Diktatur funktioniert und welchen Wert Demokratie hat.“ Rund 5.000 Exponate sind es, die dies veranschaulichen: vom DDR-Schulbuch bis zu technischen Überwachungshilfsmitteln.

Angefangen hat es 1998, als der damalige Pforzheimer Oberbürgermeister Dr. Joachim Becker dem Radio- und Fernsehtechnikermeister Knabe Teile eines ehemaligen Schulgebäudes zur Verfügung stellt, um den Menschen in der Region DDR-Geschichte authentisch nahe zu bringen. Eine Etage ist es damals, inzwischen sind es drei, aufgeteilt in Themenbereiche wie Geschichte und Alltag, Mauerbau und Grenzregime, Staatssicherheit und Massenorganisationen. Wirklich begonnen hat es aber viel früher.

Knabe bekommt als junger Mann zu spüren, was es heißt, in der DDR privat wie beruflich schikaniert zu werden. Er übersiedelt 1961 mit seiner schwangeren Frau in die BRD, ein intensiver Kontakt zu Familie und Freunden bleibt bestehen. Als die DDR zusammenbricht, ist das für das Ehepaar der Beginn der Sammelleidenschaft: Sie möchten dazu beitragen, dass nicht in Vergessenheit gerät, was für sie und so viele andere schwierige Vergangenheit war. Viele Hände tragen dazu bei, Gegenstände, Dokumente und Fotos zusammenzutragen. Und nicht jeder in Pforzheim versteht, warum die Aufarbeitung von DDR-Vergangenheit ausgerechnet hier stattfinden soll.

Heute ist das anders, auch wenn der Initiator selbst sich inzwischen aus gesundheitlichen Gründen weitgehend aus der Arbeit zurückziehen musste. „Wir haben hier zum Beispiel sehr viele Schulklassen, inzwischen sind es über 600“, so Römer. Die jungen – und auch die nicht mehr ganz so jungen – Besucherinnen und Besucher kommen inzwischen aus dem ganzen süddeutschen Raum. Besonderen Eindruck hinterlassen Begegnungen mit Zeitzeugen, die teilweise aus den eigenen Reihen oder dem Freundeskreis stammen, die aber auch von außen kommen. „Das ist gerade für die jungen Leute sehr beeindruckend, wenn ihnen jemand erzählt, wie man die DDR erlebt hat. Die sehen die Ausstellung dann anders an.“

Es sind diese Begegnungen zwischen Besuchern und denen, „die dabei waren“, dieses Interesse, das aus der persönlichen Konfrontation entsteht, das Römer und die anderen Mitglieder des Vereins „bei der Stange hält“. Denn die von allen Beteiligten rein ehrenamtlich geleistete Pflege der Sammlung, die Gewährleistung der sonntäglichen Öffnungszeiten und die Koordinierung zusätzlicher Gruppenführungen und Zeitzeugenbegegnungen macht allen sehr viel Freude, erfordert aber auch viel Zeit und Energie. Lediglich für die Besuche von Schulklassen steht für zwei halbe Tage in der Woche ein hierfür freigestellter Lehrer zur Verfügung. Gerade bei großen Schulklassen sind jedoch auch hier Römer und seine Kollegen meist mit von der Partie – und natürlich die Zeitzeugen.

Etwas jedoch bereitet dem Verein neben den stets knappen Finanzmitteln Sorgen: „Wir gehören ja alle zur älteren Generation. Und wir müssen uns in unserer Altersstruktur verjüngen, wenn es auch langfristig weitergehen soll“, so Römer. Erste Schritte in diese Richtung sind in Planung: „Das wichtigste Projekt im Moment ist die Katalogisierung der Ausstellung. Wir denken da zum Beispiel an Studierende, die uns da eventuell unterstützen können.“ Der Ausbau der Vernetzung mit den Grenzlandmuseen wäre ein weiteres Ziel, ebenso wie die Finanzierung einer festen Stelle – auch um Aufgaben wie die Öffentlichkeitsarbeit oder die Entwicklung von Projekten gewährleisten zu können.

Die Relevanz der Initiative steht inzwischen für alle außer Frage – wie sich zuletzt auch bei den Feierlichkeiten in Pforzheim zum Tag der Deutschen Einheit zeigte. „Da konnten wir natürlich einiges beitragen, auch Zeitzeugen.“ Bis es soweit ist, dass eine gesicherte finanzielle Basis gefunden wird, ist es rein dem persönlichen Einsatz der engagierten Ehrenamtler zu verdanken, dass jeder die Ausstellung auch außerhalb der Öffnungszeiten sehen kann, der dies möchte und sich rechtzeitig meldet: „Unsere kleinste Gruppenführung außer der Reihe bestand aus einer Person“, erzählt der 1. Vorsitzende schmunzelnd. „Wir schicken niemanden weg, der vielleicht von weit her gekommen ist.“

20.12.2010

Über die inzwischen in Angriff genommene Neukonzeption des Museums lesen Sie Opens external link in new windowhier weiter.


Foto: Gegen das Vergessen e. V.

Alltag in der DDR mit VoPo, Krippenwagen, Trabi und Vielem mehr; © Gegen das Vergessen e. V. Pforzheim
Alltag in der DDR mit VoPo, Krippenwagen, Trabi und Vielem mehr; © Gegen das Vergessen e. V. Pforzheim
Nachbau der innerdeutschen Grenze; © Gegen das Vergessen e. V. Pforzheim
Nachbau der innerdeutschen Grenze; © Gegen das Vergessen e. V. Pforzheim
Beschädigter DDR-Grenzstein; © Gegen das Vergessen e. V. Pforzheim
Beschädigter DDR-Grenzstein; © Gegen das Vergessen e. V. Pforzheim
Gefängnistüren, u.a. aus Bautzen I, Waldheim und Hoheneck; © Gegen das Vergessen e. V. Pforzheim
Gefängnistüren, u.a. aus Bautzen I, Waldheim und Hoheneck; © Gegen das Vergessen e. V. Pforzheim
Ausstellungsvitrine; © Gegen das Vergessen e. V. Pforzheim
Ausstellungsvitrine; © Gegen das Vergessen e. V. Pforzheim
Nachbau einer Untersuchungshaftzelle der Staatssicherheit mit Original-Mobilar; © Gegen das Vergessen e. V. Pforzheim
Nachbau einer Untersuchungshaftzelle der Staatssicherheit mit Original-Mobilar; © Gegen das Vergessen e. V. Pforzheim