Ort:

Berlin

Wer:

  • Communication School e.V.
  • gegründet im Juli 2012, aktiv seit Frühjahr 2013
  • 13 Mitglieder, davon vier Kommunikations-Trainerinnen und -Trainer
  • Finanzierung der Angebote für Migranten, gemeinnützige Träger, Einrichtungen, Vereine und Schulen über Projektförderung
Was:

Der Verein Commuication School e.V. bietet interkulturelle Kommunikations-Trainings an, in denen es darum geht, kulturelle Vorurteile abzubauen und gemeinsames Handeln zu ermöglichen.

Vom richtigen Verstehen

Communication School e.V.

Kommunikation ist überall, in Worten und Blicken, in Gesten und Taten. Und obwohl alle sich jeden Tag in irgendeiner Form miteinander austauschen, wissen wir oft nicht genug voneinander oder missverstehen uns. Die Initiatorinnen des Vereins Communication School e.V. wissen darum und bieten überall dort ihre professionelle Unterstützung an, wo Menschen mit unterschiedlichen kulturellen oder sozialen Erfahrungen aufeinandertreffen. Denn gemeinsam zu leben, zu arbeiten, Kompromisse auszuhandeln und Entscheidungen zu finden heißt erst einmal: zuhören und nachvollziehen. Eine Geschichte vom demokratischen Miteinander.


„Wir wollen die Welt verbessern“, fasst Dr. Irina Lazarova das Anliegen des Vereins zusammen, den sie 2012 gemeinsam mit Michaela Grueva gegründet hat. Beide haben ihren beruflichen Hintergrund im Bereich interkulturelle Kommunikation – und nach einem ersten Kennenlernen während eines Workshops fanden sie schnell heraus, dass sie sich für ein Miteinander vor Ort und in Europa engagieren möchten. „In Berlin spiegelt sich Europa und überhaupt eine Internationalität stark wider, und für uns ist beides sehr wichtig – nur die Bundesebene dazwischen fehlt uns noch“, stellt Lazarova fest.

Das Anliegen ihres Vereins, in dem inzwischen noch zwei weitere Kommunikations-Trainer aktiv sind, fasst Lazarovas Mitstreiterin Grueva so zusammen: „Wenn man voneinander weiß, wie man denkt und empfindet und dadurch die Perspektive des anderen verstehen lernt, dann kann darauf aufgebaut werden.“ Vieles davon findet direkt vor ihrer Haustür im Wedding bereits statt – also in einem Stadtteil, der oft als problembehaftet beschrieben wird, von dem die beiden Vereinsgründerinnen aber sagen: „Die Menschen sind hier sehr tolerant. In unserer Straße gibt es viele Vereine und Träger, die sich um Austausch der Menschen untereinander bemühen, und wir sind ein Teil davon.“

Man hat bereits begonnen, Netzwerke zu knüpfen – auch über den Wedding hinaus, wie zum Beispiel im Rahmen der „Tage des interkulturellen Austauschs“ in Berlin. Lazarova: „Die Tage standen unter dem Motto ,Miteinander reden, voneinander erfahren, gemeinsam handeln', und das sind genau die Dinge, um die es auch in unserer Arbeit geht.“ Also in Workshops und Trainings, in denen die Teilnehmenden demokratisches Handwerkszeug erlernen – aufeinander eingehen und sich mit den Sichtweisen anderer auseinandersetzen. Für freie Träger, Vereine und Schulen wird das Angebot über Projektförderungen und Spenden finanziert.

Die Teilnehmenden der Trainings kommen aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen, sind oft Multiplikatoren und haben in ihrer täglichen Arbeit mit vielen verschiedenen Menschen zu tun. „Uns geht es dann darum dafür zu sensibilisieren, wer diese Menschen mit ihren verschiedenen Erfahrungen sind. Man weiß einiges voneinander, aber oft kratzt das nur an der Oberfläche“, erklärt Lazarova. So wie etwa auch in Gesprächen an den sogenannten interkulturellen Dialogtischen: „Wir sind dort auf eine Frau getroffen, die vor dem Austausch eine ganz andere Vorstellung zum Beispiel von der bulgarischen Gemeinschaft in Berlin hatte als hinterher, da gab es einige Aha-Effekte.“ Und Grueva ergänzt: „Das ist natürlich immer auch gegenseitig, gerade auch in unseren Trainings – es ist ein Lernen auf beiden Seiten aus unterschiedlichen Erfahrungen, und auch wir stellen dann immer wieder fest: Ok, diese Perspektive kannte ich noch nicht'.“

Unterschiedliche Perspektiven standen auch ganz am Anfang der Vereinsgründungs-Geschichte, und auch Europa spielte dabei eine Rolle. Grueva: „Ursprünglich wollten wir Förderung für ein EU-Projekt beantragen, in dem es um interkulturelle Kommunikation gehen  sollte im Zusammenhang mit einem offenen Arbeitsmarkt in Europa. Wir leben hier ja in einer sehr dynamischen Welt, jeder Europäer kann sich in jedem Land der EU bewerben und dort arbeiten, aber man weiß vielleicht noch zu wenig über die kulturellen Besonderheiten im anderen Land.“ Der Antrag wurde aus formalen Gründen gemeinsam mit anderen Vereinen erarbeitet, und dabei mussten viele Kompromisse geschlossen werden. „Es endete damit, dass wir unabhängig sein wollten und unsere Ideen auf unsere eigene Weise umsetzen wollten“, so Lazarova. Vielfalt und Gemeinsamkeit spielen darin eine wichtige Rolle – wichtige Grundlagen in einer demokratischen Gesellschaft und auch im eigenen Verein. Grueva: „Wir haben Mitglieder aus Bulgarien, Russland, Deutschland und Slowenien“. Und sie ergänzt lachend: „Und alle anderen können auch kommen, wir sind für alle offen.“

Um Offenheit geht es auch bei zwei Projekten, die der Verein für die Zukunft plant. Planet Berlin ist eines davon: „Wir stellen Stadtführungen im Wedding, in Marzahn und in Neukölln zusammen“, erklärt Grueva, „die Stereotype und Vorurteile aufgreifen und vor Ort dann aber zeigen, dass die Realität vielfältig ist. Man kann dort vieles entdecken, mit dem man nicht gerechnet hätte.“ Im Frühling wird es soweit sein, und die Zielgruppen sind vor allem junge Menschen – die das Erfahrene nicht nur in ihren eigenen Alltag mitnehmen, sondern auch an andere weitergeben.

Ein anderes Vorhaben ist ein Integrationsprojekt für Arbeitnehmer aus Bulgarien, denn ab dem 1. Januar 2014 gilt für das Land – genau wie für Rumänien – die Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union. „Wir möchten ein Angebot machen für die Menschen, die dann hierher kommen werden, Bildung, Gesundheit, Arbeitsmarkt, Schule. Das Schulsystem in Bulgarien funktioniert ganz anders als in Deutschland, und über solche und andere Dinge möchten wir aufklären“, so Lazarova. Auch bei diesem Angebot zur Integrationshilfe wird neben der zu vermittelnden Information auch Kommunikation eine Rolle spielen – verstehen, nachvollziehen, gemeinsam Wege finden. Für den Verein bleibt viel zu tun, in Berlin, in Europa – und irgendwann bestimmt auch auf der Bundesebene dazwischen.

19. November 2013

Foto: Communication School e.V.

Das Team; © Communication School e.V.
Workshop; © Communication School e.V.
Das Team; © Communication School e.V.