Ort:

Essen, NRW – Göppingen, Baden-Württemberg

Wer:

  • Drei Schülerinnen aus Essen und Göppingen, darunter eine ehemalige Peer Guide eines Anne Frank Ausstellungsprojekts
  • Begleitet und unterstützt durch das Anne Frank Zentrum Berlin und ausgezeichnet als Anne Frank Botschafterinnen
  • Finanzierung aus Mitteln des Fördervereins des Beruflichen Schulzentrums Göppingen
Was:

„betolerant – Alle für den Garten“ ist ein Theaterprojekt von Schülerinnen aus Essen und Göppingen. Entstanden ist es aus der Idee einer Teilnehmerin an einem Workshop für Anne Frank-Botschafterinnen und -Botschafter des Anne Frank Zentrums Berlin, die Freundinnen aus dem Internet als Mitstreiterinnen gefunden hat. Derzeit laufen die Proben für das Stück am Beruflichen Schulzentrum Göppingen. Es thematisiert den Umgang mit Vorurteilen, Ausgrenzung und Toleranz.

Vom Internet auf die Bühne

be tolerant – Alle für den Garten

Wer gehört dazu und wer nicht? Drei Schülerinnen aus Essen und Göppingen haben ein Theaterstück entwickelt, in dem es vordergründig um einen Garten geht – doch die eigentlichen Themen sind Toleranz und Miteinander. Genauso spannend wie das Stück ist seine Vorgeschichte: Die junge Initiatorin des Projekts und die ebenfalls jugendlichen Autorinnen, die auf der Grundlage ihrer Idee ein Drehbuch geschrieben haben, leben nicht in der derselben Stadt und haben sich erst am Ende ihrer Zusammenarbeit persönlich kennengelernt. Am Anfang hingegen standen das Anne-Frank-Botschafterprojekt und das Internet – ein analog-digitales Netzwerk, das weiter Kreise zieht.

„Projekte wie diese entstehen aus dem Kreis unserer Peer Guides, die nach ihrem Engagement als Ausstellungs-Begleiterinnen und -Begleiter weitermachen wollen“, berichtet Annemarie Hühne vom Berliner Anne Frank Zentrum. Die Peer Guides – Jugendliche, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zentrums an allen Orten ausbilden, an denen die Anne-Frank-Wanderausstellungen Station machen – bringen Gleichaltrigen die Inhalte der Ausstellungen näher, und zwar aus ihrer eigenen Sicht als junge Menschen. „Wenn eine Ausstellung abgeschlossen ist, laden wir unsere Peer Guides nach Berlin zu einem mehrtägigen Workshop ein“, beschreibt die Referentin. „Dort lernen sie, eigene Projekte zu planen und zu organisieren.“ So werden aus den jungen Leuten Anne Frank-Botschafterinnen und -Botschafter, die sich mit selbst entwickelten Projekten für Demokratie, Vielfalt und Toleranz einsetzen.

Im November 2012 fand das erste dieser Seminare statt – und unter den Teilnehmenden war auch Venecia, Gesamtschülerin aus Essen. Hühne: „Sie hatte die Idee, ein Theaterstück zu entwickeln, und wir haben sie gern dabei unterstützt, das auf den Weg zu bringen.“ Wie alle anderen Teilnehmenden auch stand die Jugendliche vor der Frage, welche ersten Schritte sie gehen kann, wie sie Mitstreiterinnen und Mitstreiter gewinnen und – auch finanzielle – Unterstützung finden kann. Venecia sah sich zunächst in ihrem eigenen Umfeld in Essen nach jungen Leuten um, die in das Projekt „be tolerant – Alle für den Garten“ einsteigen wollen. Die fanden sich schnell, aber eine verbindliche Zusammenarbeit entstand daraus nicht – die erste Hürde war da.

„Mit den Workshops legen wir einen Grundstein an Informationen“, berichtet Hühne, „aber die Jugendlichen können während der Projektdauer jederzeit auf uns zukommen und Unterstützung bekommen.“ Alle zwei Monate steht zudem ein Zwischenbericht auf dem Programm – so sehen beide Seiten, wo es eventuell noch hakt und was zur Umsetzung fehlen könnte. Dem Theater-Projekt fehlte ein Team, das gemeinsam aus einer Idee etwas Konkretes macht, und dieses Team fand die junge Initiatorin im Internet. „Venecia kannte schon seit einiger Zeit über verschiedene Social Media-Plattformen zwei Schülerinnen aus einem Göppinger Berufsschulzentrum, die in Zusammenarbeit mit ihr schließlich das Stück geschrieben haben. Sie haben sich dafür nicht einmal treffen müssen, das haben sie alles über das Internet gemacht“, erinnert sich Hühne. Siora und Thu Thanh waren Venecia ein Gegenüber am anderen Ende der Leitung – und anlässlich der Ehrung ihres gemeinsamen Projekts in der Botschaft des Königreichs der Niederlande im Juni 2013 in Berlin lernten sie einander auch persönlich kennen. „Diese Ehrung erfahren alle Teilnehmenden, die ein Projekt auf den Weg bringen, auch wenn es noch nicht vollständig umgesetzt wurde. Was zählt, ist das Engagement“, erläutert Hühne dazu. „Diese Anerkennung hatten sich die vier Jugendlichen nach sieben Monaten und einem fertigen Bühnenstück einfach verdient.“

Und worum geht es in „be tolerant – Alle für den Garten“? Hühne: „Es geht um einen Hof in einem Wohnviertel, in dem die Bewohner einen Garten haben. Der Vermieter möchte diesen Garten schließen, und dann gibt es viele Diskussionen um das Thema. Dabei kommen eine Menge Vorurteile zum Tragen, aber am Ende finden alle eine Lösung. Das Team hat also ein Happy End gewählt.“ Ein Happy End gibt es offenbar auch in Sachen Umsetzung: Die Theater-AG des Beruflichen Schulzentrums Göppingen hat das Stück inzwischen in ihr Repertoire aufgenommen. Unter Anleitung ihrer Lehrerin werden die Schülerinnen und Schüler der AG das Stück während des laufenden Schuljahrs proben – die Aufführung ist für den Sommer 2014 geplant. „Toll ist auch“, so Hühne, „dass das Projekt-Team den Förderverein der Schule für eine finanzielle Unterstützung gewinnen konnte.“ Denn auch Geldfragen spielen eine Rolle, wenn es um Engagement geht – wenn zum Beispiel Flyer gedruckt und Bühnenrequisiten angeschafft werden müssen.

Die Zukunft des Theater-Projekts von Venecia, Siora und Thu Thanh ist also klar. Aber das Projekt an sich hat schon jetzt weite Kreise gezogen: vom Botschafterinnen- und Botschafter-Workshop ins Internet und von dort auf die (Probe-)Bühne. Nach seiner Aufführung wird das Stück seinen Zuschauern viel Stoff zum Nachdenken bieten und vielleicht auch den Anstoß geben, selbst etwas zu tun – in den Köpfen seiner Urheberinnen und der jungen Schauspielerinnen und Schauspieler, die es derzeit umsetzen, hat es das bereits getan.

21. Oktober 2013

Foto: Helena Schätzle / Anne Frank Zentrum

Ehrung in der Botschaft des Königreichs der Niederlande im Juni 2013, Berlin; © Helena Schätzle / Anne Frank Zentrum
Ehrung in der Botschaft des Königreichs der Niederlande im Juni 2013, Berlin; © Helena Schätzle / Anne Frank Zentrum