Ort:

Verden (Aller), Niedersachsen

Wer:

  • Verdener Bündnis gegen Rechtsextremismus, für Demokratie und Toleranz
  • 2002  ins Leben gerufen
  • derzeit ca. 30 Mitglieder, darunter 5-10 Aktive
  • Finanzierung aus Fördergeldern und Spenden
Was:

Das Verdener Bündnis gegen Rechtsextremismus, für Demokratie und Toleranz engagiert sich mit Aktivitäten wie Festen, Infoständen, Vorträgen und Runden Tischen gegen die Präsenz der NPD und gegen rechtsextreme Aktivitäten im Raum Verden.

Nachhaltig gegen Rechts

Verdener Bündnis gegen Rechtsextremismus, für Demokratie und Toleranz

Als ab dem Jahr 2000 immer mehr NPD-Infostände in der Verdener Fußgängerzone auftauchten, fanden sich  ganz normale Bürger, Gewerkschafter, Kirchenvertreter und Mitglieder verschiedener Parteien zusammen. Ihr Ziel: der NPD  mit einem Fest und anderen entschlossenen Aktionen zu zeigen, dass sie in der Reiterstadt an der Aller unerwünscht ist. Die Botschaft ist rechts außen inzwischen angekommen – das Verdener Bündnis gegen Rechtsextremismus bleibt jedoch weiter aufmerksam.

„Richtig in Schwung kam unser Bündnis, als der inzwischen verstorbene Rechtsextremist Jürgen Rieger 2004 hier in der Region den Heisenhof erworben hatte.“ Werner Meincke, einer der vier Sprecher des Bündnisses gegen Rechtsextremismus, erinnert sich an die schwierige Aufgabe, den Verkauf rückgängig zu machen, vor der Verdens  Nachbargemeinde Dörverden und der Landkreis Verden damals standen. „Die wussten damals zunächst nicht, an wen sie da die Immobilie eigentlich veräußert hatten.“ Nämlich an den späteren NPD-Funktionär und Holocaust-Leugner Jürgen Rieger. Das Geschäft konnte aus formalen Gründen rückgängig gemacht werden, es gibt inzwischen eine Abrissverfügung. „Der Landkreis war da sehr konsequent“, so Meincke, „und das auch deshalb, weil so viele Bürger Druck gemacht haben.“ Nicht wenige von ihnen fanden sich bald darauf im Verdener Bündnis gegen Rechtsextremismus zusammen – und schlugen damit den Weg zu weiteren gemeinsamen Aktionen ein.

Ein erster Höhepunkt war ein ganz besonderer Aktionstag im Frühjahr 2005. Meincke erzählt: „Die NPD hatte eine Groß-Demonstration angemeldet, und wir haben ein Fest in der Innenstadt dagegen gesetzt. Wir wollten bewusst keine Gegen-Demo machen, sondern etwas Konstruktives unter Mithilfe vieler Verdener Vereine und Initiativen, wo Menschen zusammen Spaß haben.“ Es kamen rund 5.000 Verdenerinnen und Verdener – und die NPD musste auf die Außenbezirke ausweichen. „Dadurch sind damals viele Menschen auf unser Bündnis aufmerksam geworden. Es gab auch eine gute lokale und überregionale Presse.“ Und noch etwas hatte sich hier erstmalig bewährt: die gute Zusammenarbeit zwischen der Initiative als Veranstalterin und der Stadt sowie dem Bürgermeister als Unterstützer. Alle gemeinsam wurden noch im selben Jahr als „Botschafter für Demokratie und Toleranz“ ausgezeichnet, ein Preis, den das „Bündnis für Demokratie und Toleranz – Gegen Extremismus und Gewalt“ vergibt. „Die Stadt Verden hat sich uns gegenüber dabei sehr großzügig gezeigt: Das Preisgeld durften wir vollständig für unsere weiteren Aktivitäten verwenden.“

Denn diese werden zwar in ehrenamtlicher Arbeit organisiert und durchgeführt, kosten aber dennoch Geld – für Referenten und Materialien zum Beispiel. Der unerwartete Mittel-Zuschuss wurde denn auch direkt eingesetzt für Fortbildungen und Vorträge zum Thema Rechtsextremismus oder für Informationsveranstaltungen für Jugendliche und auch Erwachsene, insbesondere Eltern. Was das am Ende nützt? „Wir haben viele Menschen darauf aufmerksam machen können, was es mit rechtsextremen Umtrieben hier in der Region auf sich hat.“ Und nicht nur das: Auch die NPD hat gemerkt, dass ihre Bemühungen um die Verdener Bürger auf wenig Gegenliebe stoßen. „Als 2006 Kommunalwahlen anstanden und die ihre Stände in der Fußgängerzone aufgebaut haben“, so Meincke, „haben wir uns immer mit unserem Info-Stand direkt daneben gestellt. Ihre Aktivitäten hier in der Stadt haben daraufhin stark nachgelassen.“

Das ist ein respektables Ergebnis und zudem bis heute so geblieben – doch Meincke und seine Bündnis-Mitsprecher Detlef Rakebrand, Elke Müller und Werner Schröter geben deshalb keine Entwarnung. Im Gegenteil: „Das Interesse am Thema Rechtsextremismus ist derzeit in der Öffentlichkeit und bei den Parteien nicht mehr so groß, weil die NPD erheblich weniger  Präsenz zeigt und es hier eine Weile keine Vorkommnisse gab. Aber das kann jederzeit wieder neu entstehen.“ Ein demokratisches Netzwerk – zwischen dem Bündnis, der Stadtverwaltung, der Polizei und dem örtlichen Präventionsrat –, das hierauf reagieren könnte, ist über die Jahre gewachsen. Und auch wenn es um die Initiative etwas stiller geworden ist und die Treffen nicht mehr monatlich, wie in der Hochzeit, sondern quartalsweise stattfinden, sind Meincke und seine Bündnis-Kolleginnen- und -Kollegen nach wie vor gefragt: „Wenn anderswo Leute aktiv werden wollen gegen Rechtsextreme, dann heißt es oft: 'Erkundigt Euch mal bei den Verdenern'“.

Damit das so bleiben kann, auch wenn die aktuelle Förderung aus Bundesgeldern ausläuft, haben verschiedene im Weser-Aller-Bündnis vereinte Städte und Landkreise den Verein WABE e. V. ins Leben gerufen. Deren Lokaler Aktionsplan, der im Rahmen des Bundesprogramms "Toleranz fördern – Kompetenz stärken" gefördert wird, soll künftig auch dem Verdener Bündnis gegen Rechtsextremismus zugutekommen. Das sichert nicht nur der Initiative selbst die notwendige und nachhaltige Weiterarbeit,  sondern gewährleistet auch, dass vorhandenes Wissen weitergegeben werden kann. Denn, so Meincke: „Es wird immer wieder auf unseren Erfahrungsschatz zurückgegriffen, und wir teilen den selbstverständlich sehr gern mit anderen, die sich engagieren wollen.“

05.06.2011

Foto: © Werner Meincke

Banner in der Verdener Fußgängerzone, Juli 2006; © Werner Meincke
Aktionsflyer; © Werner Meincke
Logo des Bündnisses; © Werner Meincke
Urkunde "Botschafter der Toleraz 2005"; © Werner Meincke