Ort:

Duisburg, Nordrhein-Westfalen

Wer:

Das Feste der Freiheit wird organisiert von einer Veranstaltergemeinschaft aus überparteilichen Vereinigungen, Verbänden und Gruppierungen. Dazu gehören

  • die RAG Rhein-Ruhr West von Gegen Vergessen - Für Demokratie e. V.
  • die Evangelische Kirchengemeinde Duisburg-Hochfeld
  • die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB)
  • das Network on Urban Research in the European Community (N.U.R.E.C.)
  • die Europa-Union Deutschland, Kreisverband Duisburg-Mülheim-Niederrhein
  • das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage Duisburg

Finanzierung über Spenden und Zuschüsse aus EU-Mitteln

Was:

Das Fest der Freiheit in Duisburg-Hochfeld findet – mit Unterbrechungen – seit 2007 jeweils  zum 23. Mai statt. Ein breites Programm, bestehend aus Gottesdienst, Gesprächsrunden und Musikveranstaltungen, soll es eine möglichst breite Öffentlichkeit ansprechen und damit einen Beitrag zu Demokratiebildung und Integration leisten.

Kontakt:

http://www.fest-der-freiheit.org

Hier ist auch das Programm zum aktuellen Fest zu finden.

Ein Fest von Bürgern für Bürger

Fest der Freiheit

Am 23. Mai 1949 trat das Deutsche Grundgesetz in Kraft – und mit einer Feier anlässlich der wiederkehrenden Jahrestage verbinden die wohl meisten Menschen eher einen offiziellen Staatsakt denn ein Volksfest in Selbstorganisation. Im Duisburger Stadtteil Hochfeld ist das seit ein paar Jahren anders: Das „Fest der Freiheit“ bringt seit 2007  Menschen zusammen, die den Tag der Verfassung etwas anders als üblich begehen.

„Für dieses Fest als eine neue Idee mussten wir erst auch ein neues Publikum gewinnen, das war nicht einfach da. Und dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen“, beschreibt Wolfgang Braun von der Veranstaltergemeinschaft die Situation vor Ort. Denn Duisburg-Hochfeld – das ist einerseits traditioneller Kiez der alten Arbeiterstadt und andererseits ein Gebiet, in dem viele Menschen mit unterschiedlichsten Migrationshintergründen leben. „Wir haben hier also überwiegend Bevölkerungsgruppen, die ihre ganz eigenen Traditionen haben, wenn es zum Beispiel um Freizeitgestaltung geht. Und für Kulturinteressierte in Duisburg gibt es ja bereits an anderen Orten viele Angebote, da muss man erst einmal Gehör finden.“

Ein Fest für die Demokratie – diese Idee entstand Anfang der 2000er Jahre aus den Reihen  des Arbeitskreises „Erinnern und Begreifen“, der späteren Regionalen Arbeitsgruppe Rhein-Ruhr-West von Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V. Weitere Partner – darunter die örtliche Evangelische Kirchengemeinde, mit deren Unterstützung  die Arbeit der Regionalen Arbeitsgruppe ihren Anfang genommen hatte und deren Dietrich-Bonhoeffer-Haus bis heute  „Stammsitz“ der Gruppe ist – waren schnell gefunden. Ebenso schnell war klar, worum es  gehen sollte: nicht einfach nur ein weiteres Stadtteilfest zu kreieren, sondern ein Zeichen für Demokratie und Integration zu setzen. „Wir wollten eine Form des Gedenkens finden, an der alle teilhaben können, egal woher sie kommen.“ Und noch etwas anderes war und ist den Initiatoren wichtig:  „Wir haben hier in Deutschland keine 'Staatsbürgerkultur' wie in den meisten anderen Ländern. Also, es ist nicht selbstverständlich, dass Menschen sich hier positiv mit diesem Staat, in dem sie leben, und mit seiner Geschichte auseinandersetzen“, so Braun. Mit dem Fest der Freiheit möchten er und seine Mitstreiter das ändern: „Wir möchten den schal gewordenen Ton in der Thematisierung von Grundgesetz und Bürgerrechten mit neuem Leben füllen.“

Neues Leben, das bot bereits das erste Fest 2007, das – so Braun – in mancherlei Hinsicht ein organisatorisches und logistisches Fiasko war. Ein Erfolg wurde es trotzdem – und der große Durchbruch kam 2009: „Das war ja das Jubiläumsjahr, 60 Jahre Grundgesetz. Der Rahmen war da also schon ein anderer, und wir hatten viel Presse.“ 2011 soll es weitergehen – die Vorbereitungen laufen bereits. „Das Schöne ist, dass wir hier in Duisburg in mancherlei Hinsicht gut überschaubare Strukturen haben. Wenn man eine Idee erst einmal etabliert hat, bei der Stadt, bei ansässigen Unternehmen und auch bei den Medien, dann findet man da auch weiterhin Unterstützung.“ Und die braucht es auch, um mit wenigen Mitteln ein umfangreiches Programm zu stemmen.

Denn es ist vor allem die Mischung, die das Fest für viele unterschiedliche Menschen attraktiv macht: „Bestimmte Menschen fühlen sich vom Eröffnungs-Gottesdienst angesprochen, andere wiederum nicht. Die kommen dann aber zum Beispiel zu den politischen Gesprächsrunden, in denen es um Europa- und Bundespolitik geht, aber auch um unsere Stadt und unsere Lebenswelt. Klein-Europa in Duisburg sozusagen. Und dann gibt es natürlich immer eine Musikprogramm.“ Das möglichst vielfältig ist, um nicht nur alle Generationen und Geschmäcker zu treffen, sondern auch Menschen mit verschiedenen sozialen und kulturellen Hintergründen. „Bei den Folklore-Gruppen, da bringen dann die Akteure ihre Familien und Freunde mit, die kommen dann teilweise nur zum Auftritt dieser einen Gruppe, aber sie kommen.“

Ein wichtiger Punkt ist auch, dass eine Bratwurst oder ein Teller Suppe nur 50 Cent kosten und Saftschorle für Kinder umsonst bereit steht. „Wenn wir ein Fest für alle sein wollen, dann müssen auch die dabei sein können, die sich einen Besuch mit der ganzen Familie normalerweise nicht leisten könnten“, so Braun. Ein Fest für alle – das bedeutet auch gemeinsame und eigene Symbole. „Manche Tanzgruppen wollen zum Beispiel  auch ihre eigenen Flaggen mitbringen, andere nicht – die tanzen unter der deutschen und der europäischen Flagge, die ohnehin über der Bühne hängen. Beides ist in Ordnung.“

Verständigung ist hier das Stichwort, auch in vielerlei anderer Hinsicht. Denn es gilt, Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründen zu erreichen – und auch unterschiedlichen Alters. „In der Erinnerungs- und Demokratiearbeit kann man vor allem junge Menschen nicht erreichen, wenn man nicht auch positive und auf die Gegenwart bezogene Aspekte der Geschichte einbezieht. So eine Veranstaltung kann da zu einem gemeinsamen sozialen Lernprozess beitragen.“ Dass dies der Fall ist, zeigen auch die Besucherzahlen: Fast 700 Menschen kamen bereits 2009. Das neue Publikum für eine neue Idee scheint sich zu finden.

21.02.2011

Foto: © Regionale Arbeitsgemeinschaft Rhein-Ruhr West von Gegen Vergessen - Für Demokratie e. V.

Fest der Freiheit 2009; © Regionale Arbeitsgruppe Rhein-Ruhr West von Gegen Vergessen - Für Demokratie e. V.
Fest der Freiheit 2009;© Regionale Arbeitsgruppe Rhein-Ruhr West von Gegen Vergessen - Für Demokratie e. V.
Fest der Freiheit 2009 - von links nach rechts: Günther Neumann, Bernd Faulenbach, Josef Krings, Heinz Pletziger, Harald Siebler; © Regionale Arbeitsgruppe Rhein-Ruhr West von Gegen Vergessen - Für Demokratie e. V.
Fest der Freiheit 2009 - Mitglieder des Werks-Chors der Stadtwerke Duisburg; © Regionale Arbeitsgruppe Rhein-Ruhr West von Gegen Vergessen - Für Demokratie e. V.
Fest der Freiheit 2009 - Musikgruppe Hochfelder Sazevi e. V.; © Regionale Arbeitsgruppe Rhein-Ruhr West von Gegen Vergessen - Für Demokratie e. V.
Fest der Freiheit 2009 - türkisch-ägäische Tanzgruppe "Denizli"; © Regionale Arbeitsgruppe Rhein-Ruhr West von Gegen Vergessen - Für Demokratie e. V.
Fest der Freiheit 2009 - David Alcántara; © Regionale Arbeitsgruppe Rhein-Ruhr West von Gegen Vergessen - Für Demokratie e. V.
Fest der Freiheit 2009 - griechische Tanzgruppe "Zorbas"; © Regionale Arbeitsgruppe Rhein-Ruhr West von Gegen Vergessen - Für Demokratie e. V.
Fest der Freiheit 2009 - Gesangsgruppe "Mensch zu Mensch"; © Regionale Arbeitsgruppe Rhein-Ruhr West von Gegen Vergessen - Für Demokratie e. V.