Ort:

Regensburg, Bayern

Wer:

  • Arbeitskreis Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage an der Fachoberschule und Berufsoberschule Regensburg (FOS/BOS)
  • SOR-SMC-Schule seit 2006
  • Schirmherren: Dr. Wolfgang Kunert, Serdar Somuncu
Was:

Der Arbeitskreis organisiert Projekttage und Aktionen gegen Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus und setzt sich für Toleranz und Menschenwürde ein.

"Auf dem Schulhof nach dem Rechten sehen"

Arbeitskreis Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage der FOS/BOS Regensburg

Mit diesen auffordernden Worten fing 2006 alles an. Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule und Berufsoberschule Regensburg (FOS/BOS) lenkten damals mit Flyern die Aufmerksamkeit auf rechte Umtriebe auf ihrem Schulhof  – und machten mit ihrem Engagement im wahrsten Sinne des Wortes Schule.

„Auf unserem Hof versammelte ein in der einschlägigen Szene bekanntes Mitglied der inzwischen aufgelösten Kameradschaft Asgard Ratisbona immer mehr Schüler um sich. Der trug ganz offen rechtsradikale, verbotene Symbole zur Schau. Und da haben ein paar junge Leute aus einer meiner Klassen beschlossen, etwas zu unternehmen und haben unter ihren Mitschülern diese Flugblätter verteilt.“ Roland Woike, der an der Schule Sozialkunde unterrichtet, begleitete die engagierten Aktivitäten von Anfang an. „Wir haben uns dazu auch aufgerufen gefühlt, weil wir im Jahr zuvor mit ansehen mussten, wie die NPD in Regensburg eine Demo nach der anderen anmeldete und durchführte.“

Für die mutige Aktion wurde den Flugblattverfassern der mit insgesamt 2.500 € dotierte Hans-Weber-Preis für Zivilcourage verliehen, mit dem Menschen unter 25 Jahren ausgezeichnet werden, die sich für Toleranz und Demokratie einsetzen. Ein wichtiges Zeichen – zumal die so Geehrten zwischenzeitig zur Zielscheibe von Sympathisanten der rechtsextremen Szene geworden waren. Eine Zeit lang hieß es, den Schulweg nur gemeinsam anzutreten, um sich so gegenseitig schützen zu können. Und auch die Schulleitung der Berufsschule war nicht nur begeistert vom eigenmächtigen Handeln der Schüler und des Pressewirbels, der ihm folgte.

Schnell war also klar, dass es künftig koordiniert weitergehen solle – im Rahmen eines von Woike initiierten Arbeitskreises mit dem Ziel eine „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (SOR-SMC)“ zu werden. Die Aufnahme in dieses bundesweite Projekt, dem bereits 800 Schulen angehören, ist mit Auflagen verbunden: So müssen sich mindestens 70 Prozent aller Beschäftigten und Schüler einer Einrichtung per Unterschrift dazu verpflichten, sich innerhalb der Schule gegen Diskriminierung jeder Art einzusetzen. An der FOS/BOS Regensburg erreichte man 85 Prozent – und ist darauf mit Recht stolz. In regelmäßigen Abständen wird die Umfrage wiederholt. „Das machen wir freiwillig, denn ein solches Prädikat sollte auch in gewissen Abständen legitimiert werden“, so Woike.

Seit dem 7. Dezember 2006 ist die Einrichtung nun auch offiziell eine „Schule ohne Rassismus“ – und hat mit dem Oberpfälzer Regierungspräsidenten Dr. Wolfgang Kunert und dem Kabarettisten Serdar Somuncu auch zwei Schirmherren. Mindestens einmal im Jahr muss eine Aktion für Toleranz und Menschenwürde, gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung stattfinden. Dass daraus keine lästige Pflicht wird, dafür sorgen die immer wieder neuen Ideen der Schülerinnen und Schüler des Arbeitskreises. Vom Projekttag „Vorurteile und Diskriminierung“ 2007 mit Podiumsdiskussionen, Theaterstücken und Ausstellungen reicht der Reigen bis zum FotoCourage-Wettbewerb 2010, der die besten Fotos gegen Rassismus prämiert.

Für den Fotowettbewerb gab es den Vorläufer der „FotoCourage-Aktionen“: „Die Schüler haben auf den Schulpartys ihre Mitschüler fotografiert, die auf einer Tafel Statements gegen Neonazis und für Demokratie abgegeben haben. Also eine spezielle Form der Partyfotos, die man ja überall in Stadtmagazinen zum Beispiel hat.“ Woikes Ansatz war hier – wie auch sonst immer wieder –, Formen der Beteiligung zu finden, die die jungen Leute ansprechen. „Und dann kam die Idee auf, einen richtigen Wettbewerb zu machen.“ Mit Postern und Flyern wurde überregional auf das Projekt aufmerksam gemacht – über 150 Schülerinnen und Schüler bewarben sich. „Das war toll. Denn man weiß ja vorher nie, wie so etwas angenommen wird.“ Die Sieger wurden im Dezember 2010 prämiert – ihre Werke sind auf dem Blog des Projekts http://woike.wordpress.com/ zu sehen. Hier dokumentiert der Arbeitskreis auch alle anderen Projekte und Themen, vom Kurzfilm „Indisch essen“ bis zum Anti-Rassismus-Training.

Bei allem Erfolg: Die Herausforderung eines nachhaltigen Engagements durch die Schülerinnen und Schüler einer Beruflichen Oberschule liegt auf der Hand. „Die jungen Leute sind hier nur zwei Jahre lang, danach hat sich die Schülerschaft einmal komplett ausgetauscht. Es ist vor Ort also immer wieder ein Neubeginn, und das muss jemand von der Lehrerseite in die Hand nehmen.“ Was von den Kapazitäten her nicht immer einfach ist: „Eigentlich bräuchte es so jemanden an jeder Schule, als ein Amt, dass dafür auch die Zeit da ist, die sich viele nicht mal so nebenbei nehmen können oder wollen.“ Der Wunsch des engagierten Studienrats wäre ein breites Bündnis Regensburger Schulen: „Bislang sind wir erst drei Schulen in Regensburg, die an dem SOR-SMC-Projekt teilnehmen. Wir werden sehen.“ Schule macht sein Engagement und das seiner Schüler allemal: Die Anfeindungen gegen einzelne Schüler haben aufgehört. „Und die NPD“, so Woike, „hat sich vorerst andere Orte gesucht“.

20.12.2010

Foto: Siegerfoto des Fotocourage-Wettbewerbs, © Klasse F13TS der Beruflichen Oberschule Deggendorf

Siegerfoto des Fotocourage-Wettbewerbs, © Klasse F13TS der Beruflichen Oberschule Deggendorf
Projekttag 2009, u.a. mit Schirmherr Serdar Somuncu, © Arbeitskreis SOR - SMC
Aktion Fotocourage 2010, © Arbeitskreis SOR - SMC
Aktion Fotocourage suite15 Februar 2010, © Arbeitskreis SOR - SMC
Aktion Fotocourage 2010, © Arbeitskreis SOR - SMC
Gedenkweg zu Ehren der Opfer des Faschismus 2009, © Arbeitskreis SOR - SMC
Dreharbeiten zum Kurzfilm “Indisch essen”, © Arbeitskreis SOR - SMC
Zeitzeugenbesuch 2009, © Arbeitskreis SOR - SMC