Wer:

  • Rheinhessen gegen Rechts e. V.
  • Aktivitäten seit 2007
  • als Verein gegründet im Februar 2008
  • 90 Mitglieder (Stand Februar 2011)
  • ausschließlich ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und -mitarbeiter
  • Finanzierung über Spenden und Mitgliedsbeiträge
Was:

Der Verein Rheinhessen gegen Rechts engagiert sich als ein bewusste breit angelegtes Bündnis für eine demokratische Kultur und gegen rechtsextremistische Aktivitäten in der Region Rheinhessen. Seit 2010 vergibt der Verein den „Jakob-Steffan-Preis gegen Rechtsextremismus und für eine starke Demokratie“.

Rheinhessen stellt sich quer

Rheinhessen gegen Rechts

Übergriffe von Neonazis gegen zwei afrikanische Mitbürger bei einem Weinfest im idyllischen Guntersblum waren der Anfang – für das Bündnis „Rheinhessen gegen Rechts“, das seit 2007 aktiv ist. Seither wächst in der Region die bürgerliche Front gegen Rechtsextremismus – und engagiert sich für eine demokratische Kultur zwischen Mainz und Worms.

„Wir haben damals, ausgehend von den Jusos, mit einem Aufruf deutlich Stellung bezogen gegen Rechtsextremismus in der Region, und sehr viele Gruppe und Initiativen haben sich dem  angeschlossen. Der DGB und die DGB-Jugend zum Beispiel, die Grüne Jugend, Leute aus der SPD-Landtagsfraktion.“ Roland Schäfer ist im Spätsommer 2007 im Vorstand der Jugendorganistion der SPD, als ein Ägypter und ein Sudanese zwischen „Woi“ und „Worscht“ krankenhausreif geschlagen werden. Die Guntersblumer greifen ein – das Schlimmste kann verhindert werden. Danach bleibt hier und anderswo dennoch die Frage: Wie kann es zu Übergriffen wie dieses kommen – und was kann man mit demokratischer Kultur dagegen bewirken? Die „Rheinhessen-Resolution“, die jede Bürgerin und jeder Bürger im Internet oder an Infoständen unterschreiben kann – und der sich unter anderem auch Kurt Beck, Frank Walter Steinmeier und Konstantin Wecker anschließen –, ist ein erster Schritt. Und weitere sollten folgen.

Ein halbes Jahr später stellt sich die Frage nach Gegenöffentlichkeit wieder und besonders dringlich: Eine Doppel-Demonstration der NPD in Saulheim und Wörrstadt ruft die inzwischen zu einem breiten Bündnis angewachsene Initiative erneut auf den Plan. Es ist der 23. Februar 2008 – und im Anschluss an die Gegenveranstaltung gegen den Aufmarsch der extremen Rechten findet im Saulheimer Rathaus die Vereinsgründung von „Rheinhessen gegen Rechts e. V.“ statt. „Wir wollten die Energie aufgreifen, die über einen gewissen Zeitraum hinweg bereits entstanden war, auch durch den großen Rückhalt in der Bevölkerung.“ Das Interesse der Medien ist groß, genau wie das der Bürgerinnen und Bürger. „Man braucht eigentlich nur sieben Personen, um einen Verein zu gründen. Wir waren 25“, so  Schäfer , der damals zum Vorsitzenden gewählt wird und dieses Amt bis heute bekleidet.

Die nächsten Aktivitäten folgen schnell – sein Ziel sieht der Verein vor allem darin, vorhandenes Potenzial zu bündeln, Initiativen zusammenzubringen und breite Netzwerke zu knüpfen. „Uns war und ist dabei immer wichtig, dass wir zwar offen sind, aber dass wir in unseren Reihen keine politischen Positionen vertreten sehen wollen, die sich nicht im Rahmen des Grundgesetzes bewegen“, so Schäfer. Diese Abgrenzung ist ihm und seinen Vereinskolleginnen und -kollegen wichtig. „Das macht uns einfach auch als Bündnispartner für ein sehr breites gesellschaftliches Spektrum attraktiv und vertrauenswürdig, was sehr wichtig ist. Wir erreichen so auch  politisch konservativer orientierte Menschen.“

Denn eine breite Basis ist es, die der Verein mit seiner Arbeit ansprechen will. Zu der gehören Veranstaltungen wie Lesungen, Fahrten, Diskussionsrunden oder Vorträge ganz unterschiedlicher Größenordnung aus den Bereichen Gedenkarbeit und Demokratiebildung. „Der Zuspruch ist unterschiedlich groß. Wenn bestimmte Themen gerade virulent sind, dann kommen schon mal 60 Besucher. Manchmal sind es auch nur wenige, die kommen. Das ist aber dann keinesfalls schlechter, denn wer gezielt zu einer kleinen Veranstaltung im kleinen Kreis kommt, der oder die ist meist sehr motiviert, sich einzubringen“, so Schäfer.

Sich einbringen – die Möglichkeit bietet der Verein auch online, und zwar im Forum auf der eigenen Internetseite. „Das wird bislang noch nicht so rege genutzt, aber es ist ein zusätzliches Angebot“, erklärt Schäfer. Seit Kurzem gibt es zudem – ebenfalls online – einen „Melder“, über den jeder oder jede rechtsextreme Schmierereien, Aufkleber oder anderes melden kann – auf Wunsch auch anonym.

Gar nicht virtuell, sondern höchst real ist ein Preis, den „Rheinhessen gegen Rechts“ seit 2010 vergibt: den „Jakob-Steffan-Preis gegen Rechtsextremismus und für eine starke Demokratie“. Mit dem Preis werden Menschen sowie Jugend- und Schülerprojekte ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise gegen Rechtsextremismus und für eine demokratische Kultur einsetzen. So wie der Mann, dessen Namen der Preis trägt: Jakob Steffan leistete Widerstand gegen den Nationalsozialismus, indem er im Vertrauensleutenetz der Hitler-Attentäter um Stauffenberg mitwirkte, gestaltete nach dem Zweiten Weltkrieg die rheinland-pfälzische Verfassung mit und wurde erster Innenminister in Rheinland-Pfalz. Einer seiner späteren Nachfolger in diesem Amt, Walter Zuber, gehört – neben einer Schulklasse an der Wormser Westend-Reaschule, die für ein Ausstellungsprojekt zur Verfolgung im Nationalsozialismus geehrt wurde – zu den ersten Preisträgern. In 14 Jahren Amtszeit habe er nachhaltige Strukturen für die Bekämpfung von Rechtsextremismus in seinem Bundesland geschaffen, hieß es in der Begründung. Eine Aufgabe, die auch jenseits politischer Ämter in allen gesellschaftlichen Bereichen nötig und noch nicht abgeschlossen ist – und an der auch Mitte gegen Rechts e. V. weiter mitwirkt.

11.02.2011

Foto: © Rheinhessen gegen Rechts e. V.

Demonstration in Mainz am 01. Mai 2009; © Rheinhessen gegen Rechts e. V.
Wahlaufruf anlässlich der Kommunalwahlen 2009 in Rheinland-Pfalz; © Rheinhessen gegen Rechts e. V.
© Rheinhessen gegen Rechts e. V.
"Der neue Antisemitismus - Antisemitismus im 21. Jahrhundert" - Veranstaltung von Rheinhessen gegen Rechts u.a. im Februar 2009 an der Universität Mainz, Referent u.a. Michel Friedman; © Rheinhessen gegen Rechts e. V.
© Rheinhessen gegen Rechts e. V.