Ort:

Leipzig, Sachsen

Wer:

  • Gemeinnützige rechtsfähige Stiftung
  • gegründet von Studierenden der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy am 11.11.2008
  • anfangs 5, inzwischen 19 Stifter
  • Finanzierung zu geringen Anteilen aus dem Stiftungskapital, zu größeren Teilen aus Fördergeldern und Spenden
Was:

Die Stiftung Elemente der Begeisterung wurde von Studierenden als ein Erfahrungs- und Lernort von jungen Menschen für junge Menschen gegründet. Zum Angebot der Stiftung gehören ein Bildungswerk und eine Ideenfabrik, internationale und interdisziplinäre Austauschprojekte mit den Schwerpunkten Kunst und Kultur sowie Workshops und Ausbildungen für junge Menschen und Multiplikatoren in den Bereichen Gesellschaft, Politik, Kultur und Wirtschaft. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Initiative Jugend stiftet! und dem Kreis Junge Menschen und Stiftungen.

Bildung und Begeisterung stiften

Stiftung Elemente der Begeisterung

Mit einem künstlerischen Austausch-Projekt mit Studierenden aus Leipzig und Nizza fing alles an. Am Ende steht eine Institution, die im Namen trägt, was ihre Gründer vermitteln möchten: Elemente der Begeisterung. Ihre universelle Sprache ist die Kunst, ihre Ziele sind das kreative Lernen und der interkulturelle Dialog in Europa und darüber hinaus. Die Initiatoren: junge Studierende zwischen Anfang 20 und Mitte 30, die mit wenig Geld und viel Enthusiasmus eine Stiftung ins Leben rufen – und damit engagiert Gesellschaft mitgestalten. Das ist in dieser (Rechts-)Form ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher und zugleich so naheliegend ist die Geschichte, die der Gründung vorausging.


„Mit unserer Bildungsarbeit geben wir jungen Menschen Raum, wichtige Kompetenzen und Erfahrungen zu sammeln, und das ist wiederum ein direkter Beitrag zur Vermittlung demokratischer Werte“, erklärt Robert Benjamin Biskop, Vorstandsvorsitzender und Initiator der Stiftung. Sein Vorstoß zur Gründung im Herbst 2008 war die fast logische Zusammenführung von Erfahrungen aus vielen Jahren Gremienarbeit in der Hochschulpolitik, in der Leipziger Studierendengemeinde, der Kulturprojekt-Organisation und der Jugendbildung. „Ich hatte – auch als studentisches Mitglied des akademischen Senats – umfangreiche Einblicke bekommen in viele verschiedene Arbeitsbereiche, die für den Aufbau einer Stiftung als Ort selbstorganisierten Lernens wichtig sind. Als die Entscheidung anstand, was aus unserem Projekt werden soll, war ich deshalb gut vorbereitet“, so Biskop.

Das Projekt – das war zunächst ein jährlich im Sommer stattfindender interdisziplinärer Workshop, an dem Studierende verschiedener künstlerischer Fachbereiche aus Deutschland und Frankreich teilnahmen. Hervorgegangen war er aus den Sommertourneen der Palucca Hochschule für Tanz Dresden auf Hiddensee, Sylt und bei Nizza. Biskop: „Es ging natürlich auch darum, zusammen inspirierende Aufführungen zu erarbeiten. Uns war aber gleichzeitig von Anfang an wichtig, ein Laboratorium für Kreativität zu schaffen.“ Selbstbestimmte Lernräume für den Erfahrungsaustausch und für grenzüberschreitende Netzwerke sind hier entstanden – sie sollten zu den Grundpfeilern der späteren Stiftung gehören.

2005 wechselte die Verantwortung der Projektreihe in die Hände des Studierendenrats der HMT Leipzig unter der Leitung Biskops. 2007 kam schließlich der Höhepunkt: „Im Jahr der Geisteswissenschaften hat unser Projekt am bundesweiten Hochschulwettbewerb Geist begeistert teilgenommen“, erinnert sich der Vorstandsvorsitzende – damals noch Student der Dramaturgie. „Die Idee war, Dramaturgie als interdisziplinären Vermittler zu begreifen.“ Studierende aus Deutschland und Frankreich in den Disziplinen Musik, Schauspiel, Tanz, Romanistik, Germanistik, Grafik, Buchdruck und Malerei sollten daran beteiligt sein. Biskop: „Wir haben uns sehr gefreut, dass wir als einziges rein studentisches Projekt ausgezeichnet worden sind.“ Die Produktion – sie trug passend zum Namen des Wettbewerbs den Titel Die Elemente der Begeisterung: Körper, Geist und Kunst – Les éléments de l‘enthousiasme: Corps, esprit et art – konnte damit in Nizza und Leipzig stattfinden und wurde ein großer Erfolg.

Spätestens seit 2007 hatte das jährlich wiederkehrende Austausch-Projekt Dimensionen angenommen, die nicht mehr ohne Weiteres zu bewältigen waren. Neben den Partner-Hochschulen in Leipzig und Nizza waren mittlerweile die Deutsche Botschaft in Paris und die Französische Botschaft in Berlin sowie das Deutsch-Französische Jugendwerk beteiligt. „Die Idee, das Ganze in eine Stiftung zu überführen, kam mir zum ersten Mal während der Sommer-Universität der Friedrich-Ebert-Stiftung im Juli 2008“, erklärt Biskop. „Ich weiß noch genau, wie ich auf einem stillen Steg an der Havel saß, und da tauchte der Gedanke auf.“

So still sollte es nicht bleiben. Es folgten Anfragen und später Verhandlungen mit den Stiftungsbehörden im Freistaat Sachsen, die mindestens so denkwürdig waren wie der Moment am Wasser: „ Ich bin dort hingegangen und habe gesagt: Wir möchten mit 2.000 Euro eine Stiftung gründen“, so Biskop lachend. Gefordert sind normalerweise mindestens 25.000 Euro Stiftungskapital. „Wir haben dann gefeilscht wie auf einem Basar, aber unsere Begeisterung für die Sache war wohl ansteckend. Auf 16.000 haben wir uns dann geeinigt.“ Den Löwenanteil hat Biskop aus privaten Mitteln aufgebracht: „Ich habe alles in die Stiftung gesteckt, was ich damals hatte.“

Inzwischen hat das Grundstockvermögen die ursprüngliche Grenzmarke von 25.000 Euro überschritten. Doch es gehört nicht nur Geld dazu, eine Stiftung zu führen, sondern auch viel Zeit und Kreativität – die Biskop und seine Mitstreiter ehrenamtlich neben ihren anderen Verpflichtungen als Studierende, Promovierende und Berufstätige haben. Das Programm, das sie mit ihrer Stiftung immer wieder neu entwickeln, ist vor diesem Hintergrund um so beeindruckender: Im Rahmen des stiftungseigenen Bildungswerks werden Workshops in den Bereichen politische, ästhetische und interkulturelle Bildung angeboten – und damit nicht zuletzt auch künftigen Multiplikatoren in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen eine Basis geboten. Daneben sieht sich die Stiftung als Denk- und Ideenfabrik, der ganz unterschiedliche Projekte entspringen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich mit wichtigen Fragen der gesellschaftlichen Gegenwart beschäftigen.

Ein besonderes Anliegen ist das „Anstiften zum Stiften“ mit der Initiative Jugend stiftet! und dem Kreis Junge Menschen und Stiftungen: „Junge Leute können immens viel erreichen, wenn sie Wertschätzung, optimale Rahmenbedingungen und Vertrauen erhalten“, so Biskop. „Ich finde es daher besonders wichtig, gerade ihnen zu vermitteln, dass man als Stifterin oder Stifter viel bewirken kann.“ Bei allem Einsatz für die nachwachsende Generation bleibt dennoch ausreichend Zeit für das, womit die Stiftung vor über vier Jahren begonnen hat: die Entwicklung und Durchführung internationaler künstlerischer Austausch-Projekte. „Es gibt da gerade ein besonderes Herzens-Projekt: Wir sind mit unserem Vorschlag ausgewählt worden als eines von 50 Projekten, die im Rahmen des Jubiläumsjahres zum 50-jährigen Bestehen des deutsch-französischen Elysée-Vertrags stattfinden werden. In der ersten September-Hälfte werden wir mit 40 Jugendlichen aus Deutschland, Frankreich und Griechenland auf Kreta Material für eine Ausstellung über unsere gemeinsame europäische Geschichte erarbeiten.“ Bilder, Fotos und Zeichnungen – von Künstlern und von Laien – werden danach im Oktober und November in einer Ausstellung in der Französischen Botschaft in Berlin zu sehen sein.

Die Teilnahme ist nicht zuletzt auch eine besondere Anerkennung für die Arbeit der Stiftung. Genauso wie 2011 die Auszeichnung im Rahmen der Initiative der Bundesregierung und des Bundesverbands der Deutschen Industrie Deutschland Land der Ideen. Oder wie aktuell die Berufung Biskops in die Jury des Sächsischen Förderpreises für Demokratie. Und auch, wenn die Elemente der Begeisterung 2013 ihren fünften Geburtstag feiern werden: Es bleibt noch viel zu tun.

26.02.2013

Foto: Stiftung Elemente der Begeisterung

Gründungs-Team der Stiftung Elemente der Begeisterung: Tim Peix, Emanuel Mathias, Robert Benjamin Biskop, Agnes Lammert und Oliver Janke (v.l.n.r.); © Stiftung Elemente der Begeisterung
Initiator und Vorstands-Vorsitzender Robert Benjamin Biskop; © Stiftung Elemente der Begeisterung
Projekt "Dido und Äneas" mit jungen deutschen, französischen und tunesischen Teilnehmern (2009, Tunis/Tunesien); © Stiftung Elemente der Begeisterung
Projekt "Dido und Äneas" mit jungen deutschen, französischen und tunesischen Teilnehmern (2009, Tunis/Tunesien); © Stiftung Elemente der Begeisterung
Sommerprojekt "Die Schöne und das Biest" (2007, Cap d'Ail/Frankreich); © Stiftung Elemente der Begeisterung
Sommerprojekt "Die Schöne und das Biest" (2007, Cap d'Ail/Frankreich); © Stiftung Elemente der Begeisterung
Sommerprojekt "Die Schöne und das Biest" (2007, Cap d'Ail/Frankreich); © Stiftung Elemente der Begeisterung
Sommerprojekt "Die Schöne und das Biest" (2007, Cap d'Ail/Frankreich); © Stiftung Elemente der Begeisterung
Team und Kuratorium (2011, Leipzig); © Stiftung Elemente der Begeisterung
Deutsch-französischer Workshop "Interkulturelles Projektmanagement (2010/Hohnstein/Deutschland); © Stiftung Elemente der Begeisterung
Logo der Stiftung Elemente der Begeisterung; © Stiftung Elemente der Begeisterung