Cornelia Schmalz-Jacobsen und Ekin Deligöz

"Die Generation können voneinander profitieren!"


Generationen-Vertrag: Alter spielt (k)eine Rolle

Engagement ist keine Frage des Alters. Oder doch? Und wenn ja, was heißt das? Vor allem, dass die Generationen voneinander lernen, miteinander wachsen können. Das gilt allgemein für die Gesellschaft, und es gilt auch und gerade dort, wo es um Gedenken und Vorausschauen gilt. Ältere Menschen sind zeitlich näher an dem dran, was war und nicht vergessen werden soll. Jüngere Menschen hingegen haben ein Gespür dafür, wie man morgen über diese oder jene Frage denken könnte – und mit welchen Medien dies am besten zu vermitteln ist. Aber engagieren sich junge Menschen denn heute überhaupt noch? Die Beispiele auf diesem Portal beweisen eindrucksvoll, dass die Antwort ja lautet – ob unter Anleitung oder aus eigenem Antrieb, ob in Schule oder Freizeit.

Schule machen I

Dass man besonders Schülerinnen und Schüler mit ihren anders gelagerten Bedürfnisse ernst nehmen muss, wenn man sie mit schwierigen Themen erreichen will, zeigt etwa die Jugendinitiative Spiegelbild mit ungewöhnlichen Wegen und Methoden bei der Vermittlung von Wissen zu Themen wie Holocaust oder Migration. Nicht selten macht nicht nur der Ton, sondern auch das Medium die Musik: Das Projekt Mietek-Pemper-Webseite des Gersthofener Paul-Klee-Gymnasiums bindet daher die Möglichkeiten des Internets ein und die Dokumentarfilmgruppe der Oscar-von-Miller-Realschule arbeitet nicht nur mit Zeitzeugen, sondern auch mit dem technisch-kreativen Medium Film. Das Schüler-Theater-Projekt Mölln nach Mölln wiederum gibt jungen Leuten Ausdrucksmittel an die Hand, um sich mit den Möllner Anschlägen auseinanderzusetzen.

Schule machen II

Auch die Schülerschaften ganzer Schulen bringen sich ein. Ein Beispiel ist hier die Fachoberschule und Berufsoberschule Regensburg, die sich als eine von vielen Schulen ohne Rassismus – Schule mit Courage die Auseinandersetzung mit Ausgrenzung und Integration auf die Fahnen geschrieben hat. Und Schule ist – last but not least – auch das Feld des in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen herumfahrenden mobilen Projekts Into the Future, das jungen Leuten „aus dem Bus heraus“ die Möglichkeit gibt, Neonazis gute Argumente entgegenzusetzen.

Jung sein

Und über die Schule hinaus? Die Weltbürger-Workshops der WorldCitizen sind ein Angebot von jungen Menschen für junge Menschen ganz allgemein, über Grenzen hinaus Gemeinsamkeiten zu entdecken. Auch das Junge Theater Cactus ist Anlaufstelle für Jugendliche aller Altersstufen, die gern Theater machen – im wahrsten Sinne des Wortes – und sich so Antworten auf für junge Menschen wichtige Fragen erspielen. Integration ist hier zum Beispiel ein Thema, das zugleich gelebt wird – genau wie von der Jungen AG Pulverfabrik. Jungen und Mädchen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und mit und ohne Behinderung engagieren sich hier gemeinsam für das Zwangsarbeiter-Gedenken vor ihrer Haustür im niedersächsischen Liebenau.

Brücken schlagen

Noch einmal Stichwort Integration. Wie machen das die Generationen mit- und untereinander? Nicht immer ist es gerade für klassische Vereine einfach, den Nachwuchs für ihre Sache zu begeistern, denn Jüngere engagieren sich anders. Gerade in projektbezogeneren Initiativen aber arbeiten Menschen zwischen 15 und 75 Jahren und darüber hinaus entweder erfolgreich zusammen, oder es entstehen von Seiten der Älteren Angebote, die das Engagement Jugendlicher und junger Erwachsener fördern. Die Regionale Arbeitsgruppe Rhein-Main von Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V. etwa bildete im Anne-Frank-Jahr junge Guides aus, die Jugendliche durch die Ausstellung „Anne Frank – Eine Geschichte für heute“ begleiteten.

Alterslos bleiben

Dass Engagement in jeder Altersgruppe nicht nur sinnvoll ist, sondern auch Spaß macht, zeigen tatsächlich alle Initiativen auf diesem Portal. Gerade auch die Generation 60+ und darüber hinaus wird gebraucht, nicht nur als Zeitzeugen, sondern auch als Wissensvermittler. Das DDR-Museum in Pforzheim ist hier ebenso ein Beispiel wie das Engagement von Lothar Tautz beim schon erwähnten Into-the-Future-Bus. Oft schließt sich der Kreis wieder beim Thema Schule – tradiertes Erinnern trifft auf Web 2.0 und feste Strukturen auf Projekte.

Was neben dem Alter sonst noch zählt in Sachen Engagement – etwa Anlässe, Ausdrucksformen, örtliche Gegebenheiten und Organisationsformen – beschreiben die jeweiligen Rubriken dieses Überblicks.